Sonntag, 23.02.2020 08:11 Uhr

Yuja Wang , Der perfekte Augen- und Ohrenschmaus

Verantwortlicher Autor: Leonard Wuest Luzern, 22.12.2019, 11:33 Uhr
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Lucerne Festival am Piano 2011 Der perfekte Augen- und Ohrenschmaus, Yuja Wang am Pianofestival 2011
Lucerne Festival am Piano 2011 Der perfekte Augen- und Ohrenschmaus, Yuja Wang am Pianofestival 2011  Bild: Pressefoyer des Lucerne Festival, Priska Ketterer

Luzern [ENA] Nach einer Ankündigung des Festivalintendanten Michael Häfliger, dass das Programm auf Wunsch der Künstlerin kurzfristig geändert wurde, betrat die 24jährige, in Peking geborene Solistin in ein elegantes schwarzes Abendkleid gehüllt die Bühne, schon durch ihre Präsenz die Anwesenden verzaubernd.

Der Einstieg in den ersten Konzertteil mit Sergej Rachmaninows 3 Etudes tableau und der Elégie in es – Moll, op.3 Nr.1, als drittes Vortragsstück dazwischen, versprach einiges. Souverän griffig und doch elegant, ja schon fast spielerisch meisterte sie Rachmaninows grosse Fingerakrobatik fordernde Kompositionen. Jung, frisch und unbekümmert, aber trotzdem mit dem nötigen Respekt und der souveränen Reife, die jeder Pianist den Werken von Rachmaninow zollen muss, besonderes zu spüren im abschliessenden Etude tableau in es – Moll op.39 Nr.5, appassionato, vom Publikum auch entsprechend gewürdigt.

Es folgte von Ludwig van Beethoven die nicht minder meisterhaft interpretierte Klaviersonate Ed -Dur op. 27 Nr.1, sonata quasi una fantasia (1801). Auch da wurde die geforderte fantasia zur fantastischen Realität, die Tempi präzis und fliessend umgesetzt, ein attacca subito war eine ebensolche, ein allegro vivace lebte, die tempi und das presto führten in ein finales zusammenführendes Musikerlebnis.

Abschluss des ersten Konzertteiles

Zum Abschluss des ersten Konzertteiles noch Aleksandr Skrjabin`s Klaviersonate Nr. 5 Fis – Dur op. 53 (1907). Auch hier wieder der Anweisung des Meisters folgend in der Umsetzung beim allegro und impetuoso. Das „con stravaganza“ nahm sie dann mehr als wörtlich und startete mit Elan, Begeisterung und sichtlichem Genuss am Spiel ein Feuerwerk eben dieser gefordeten Extravaganz und entliess ein aufgewühltes Publikum in die Pause, den stürmischen Applaus aber entspannt geniessend.

Der zweite Konzertteil

Der 2. Konzertteil begann sie mit 5 Preluden, Etuden und einer Poème von Skrjabin. Locker, konzentriert und doch flüssig und elegant fegte sie über den Flügel, sich zurücknehmend wo geboten, ihre Spielfreude, im positiven Sinne, „austobend“, technisch perfekt und erstaunlich reif in den Interpretationen, wenn man ihr jugendliches Alter bedenkt. Wer jetzt gedacht hatte, das alles könne nicht mehr getoppt werden, belehrte sie mit der Darbietung der Klaviersonate Nr. 6 in A – Dur op.82 (1939/40) von Sergej Prokofjew. Weniger dunkel und düster, als Yefim Bronfmann am Montag intonierte sie die sogenannten Kriegssonaten, das liegt sicher auch in den sehr unterschiedlichen Biografien der beiden Interpreten.

Furios durch das Werk brausend, die für Prokofjew so typischen Unter- und Uebergriffe meisterhaft setzend und mit einer stupenden Technik und unglaublicher Virtuosität brillierend setzte sie einen imposanten Schlusspunkt. Jetzt kam noch das Spiel mit dem Publikum dazu. Nach 2 kurzen, frenetisch gefordeten Zugaben, locker aus dem Handgelenk in Form von Preluden hingelegt, ahnte ich, dass sie noch mit irgendwas eine stehende Akklamation provozieren wollte. So setzte sie sich also nochmal hin und fegte eine sensationelle freie Improvisation in den Saal und erreichte die verdiente„Standing Ovation“ des hingerissenen Publikums.

Eins ist sicher, wenn man in ein paar Jahren vom Showpianisten Lang – Lang schon lang nicht mehr redet, wird diese unglaubliche Yuja Wang in den grossen Konzertsälen dieser Welt das Publikum mit ihrer Kunst noch immer begeistern und in ihren Bann ziehen. besucht und rezensiert von Léonard Wüst. www.leonardwuest.ch www.lucernefestival.ch www.innerschweizonline.ch www.bochumer-zeitung.com

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